Das Eisbergmodell: Wesentlicher Baustein zwischenmenschlicher Kommunikation

kommunikation

Das Eisbergmodell beschreibt eine Klasse von Kommunikationsmodellen, die die 80-20-Regel des Pareto-Prinzips mit der allgemeinen Theorie der Persönlichkeit nach Sigmund Freud verbindet. Wie bei einem Eisberg gibt es auch bei der zwischenmenschlichen Kommunikation einen kleinen sichtbaren Teil und einen größeren unsichtbaren Teil. Hier wird dann vom bewussten Teil der Kommunikation und dem unbewussten Teil gesprochen.

Ursprung des Eisbergmodells in der angewandten Psychologie

Nach Sigmund Freud wird menschliches Handeln nur zu einem kleinen Teil bewusst bestimmt. Im Strukturmodell der Psyche nimmt das „Ich“ (Realitätsprinzip) diesen kleineren bewussten Teil der Psyche ein. Das „Es“ (Lustprinzip) und das „Über-Ich“ (Moralitätsprinzip) bilden den unbewussten Teil der Psyche. Das „Ich“ entscheidet letztlich nur darüber, welche Teile des „Es“ und „Über-Ichs“ realisiert werden.

In der Metapher des Eisbergs nimmt der unbewusste Teil der Psyche den größeren Part des Eisbergs unter Wasser ein. Das „Ich“ als bewusster Teil entspricht somit den Teil des Eisbergs, der oberhalb der Wasseroberfläche liegt. Freud selbst hat diesen Vergleich nicht herangezogen. Spätere Autoren haben zur Veranschaulichung des starken Ungleichgewichts zwischen bewusster und unbewusster Handlungsweisen den Eisberg als Symbolbild eingefügt.

Die 80-20-Regel des Pareto-Prinzips

Die zweite Grundlage des Eisbergmodells findet sich in einer statistischen Regelmäßigkeit wieder, die von Vilfredo Pareto erstmals beschrieben wurde. Er stellte fest, dass in der Natur viele Verteilungen einem einfachen Skalengesetz folgen, aus dem sich die einfache 80-20-Regel ableiten lässt. Wahrscheinlichkeitsverteilungen dieser Art heißen daher auch Paretoverteilung.

Die 80-20-Regel besagt, dass viele Verteilungen zwischen zwei Ereignissen oder Zuständen sich so aufteilen, dass auf dem einen Zustand 80 Prozent Wahrscheinlichkeit entfallen und auf den anderen 20 Prozent. Diese vereinfachte Verteilungsregel findet sich in vielen Sachverhalten in der Natur, aber auch der Soziologie, Psychologie oder der Betriebswirtschaftslehre wieder.

LESEN SIE AUCH  Content Marketing - so erreichen Sie Ihre Zielgruppe

Anwendung in der Kommunikationstheorie

Angewendet auf die Kommunikationstheorie und der Metapher des Eisbergs, findet somit 20 Prozent der Kommunikation bewusst statt und 80 Prozent unbewusst. Angelehnt an das Strukturmodell nach Freud lässt sich noch die Ebene der vorbewussten Kommunikation einfügen. Diese liegt, bildlich gesprochen, knapp unter der Wasseroberfläche.

Nach dem Eisbergmodell ist der bewusste Teil der Kommunikation der rationale Teil. Auf dieser Sachebene werden Aussagen zu objektiven Ereignissen (Daten, Fakten), aber auch zu subjektiven Zuständen (Gedanken, Gefühlen) getroffen. Hier wird der Inhalt einer Botschaft vermittelt. Der vorbewusste und unbewusste Teil der Kommunikation betrifft die emotionale Ebene oder Beziehungsebene. Neben der emotionalen Beziehung zum Kommunikationspartner (Erfahrung) spielen vor allem die eigene Persönlichkeitsstruktur eine entscheidende Rolle. Dazu zählen vorbewusste Kommunikationsanteile wie Ängste, Vertrauen oder Misstrauen, Erfahrungen, Unsicherheit und weitere Charaktermerkmale sowie die tiefer liegenden unbewussten Kommunikationsanteile, die sich aus der tieferen Psyche ableiten (Traumata, Instinkte, Triebe). Hieraus bildet sich der Subtext in der Kommunikation.

Somit ist die zwischenmenschliche Kommunikation zu 20 Prozent von der Sachebene und zu 80 Prozent von der Beziehungsebene bestimmt. Dabei gilt, dass eine gestörte Beziehungsebene unweigerlich dazu führt, dass die Kommunikation auf der Sachebene ebenfalls gestört, wenn nicht gar unmöglich gemacht wird.