Die Angst der Woche oder: ist Angst die härteste Währung?

Gesellschaft

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Wir Deutschen gehören zu den ängstlichsten Menschen der Welt. Nicht umsonst hat sich der Begriff “German Angst” etabliert.

Schauen wir uns die Angst einmal an. Angst ist eigentlich etwas sehr gutes. Angst schützt uns. Angst kann aber auch zu einer Krankheit werden. Und zwar dann, wenn uns Angst einschränkt und wir Angst vor der Angst bekommen.

Außerdem lese ich gerade einen Beitrag beim Tagesspiegel mit der Überschrift: “Besser nichts tun als etwas Falsches“. Na ja kann ich da nur sagen. Soweit zur Motivation dieses Beitrags.

Wer ist Walter Krämer

Walter Krämer ist zunächst einmal einer meiner Lieblingsautoren. Ich liebe Zahlen. Und Walter Krämer hat mit Zahlen zu tun.

In Wikipedia wird er wie folgt “definiert”:

Walter Krämer (* 21. November 1948 in Ormont) ist ein deutscher Ökonom. Er ist Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik an der Technischen Universität Dortmund. Einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde er durch populärwissenschaftliche Literatur zur Statistik und als Verfechter der deutschen Sprache. Hier engagiert er sich unter anderem als Gründer und 1. Vorsitzender des Vereins Deutsche Sprache e. V. in Dortmund, sowie dessen Stifung Deutsche Sprache.

“Die Angst der Woche” von Walter Krämer

“Die Angst der Woche: Warum wir uns vor den falschen Dingen fürchten” von Walter Krämer ist eines meiner Lieblingsbücher. Und erst Recht in diesen Zeiten. Dieses Buch erschien erstmals im Jahr 2011.

Wir fürchten uns wohl wirklich vor den falschen Dingen. So wissen wir z.B. alle, dass zu fettes Essen schlechte Blutwerte beschwert und die Gefahr an Magen- der Darmkrebs und anderen Folgen zu sterben hoch ist. Aber wir essen alle fröhlich weiter. Wenn es in den Medien eine Meldung über Pestizide im Gemüse gibt, bekommen wir Panik und das Gemüse wird aus dem Verkehr gezogen.

Gutes Beispiel ist nach Walter Krämer der BSE-Skandal. Bis heute sei an dieser Krankheit kein einziger in Deutschland gestorben. Aber die verursachte Panik zu diesem Skandal habe uns Steuerzahler rund eine Milliarde Euro gekostet und zahlreichen Landwirten das Vermögen und die Existenz gekostet. Das ist nur eines von zahlreichen Beispielen, die Walter Krämer in seinem Buch anführt.

Walter Krämer sammelt seit der BSE-Panik am Schwarzen Brett seines Statistik Lehrstuhls an der TU Dortmund unter dem Titel „Die Angst der Woche“ Meldungen aus aller Welt.

Unter anderem sind dort folgende Meldungen zu lesen, die tatsächlich in den Medien verbreitet wurden:

„Achtung Kokosnüsse. Jedes Jahr werden weltweit mehr als 100 Menschen durch herabfallende Kokosnüsse erschlagen“.

„Hai tötet Touristin im Roten Meer. Eine deutsche Urlauberin hatte vor ihrem Hotel im ägyptischen Scharm el-Scheich im Meer gebadet; es war das letzte Mal“.

Es ist nicht zu fassen. Die Panikmechanik funktioniert. Nach solchen Meldungen ist sich jeder über die Gefahr, die Kokosnüsse auslösen bewusst und wieder andere haben Angst vom Hai gefressen zu werden – selbst wenn weit und breit kein Meer in Sicht ist. Tja und die Kokosnüsse wachsen auch nicht in Deutschland. Die Welt diskutiert darüber, schließlich ist es ein wichtiges Thema, es wurde in den Medien darüber berichtet.

Funktionsmeachanismus der Panik nach Walter Krämer

Nach Walter Krämer hat die Panik einen sehr einfachen Funktionsmechanismus: Zuerst wird die Existenz einer Gefahr betont. Im zweiten Schritt wird der Konjunktiv freigebig als Zaubermittel eingesetzt. Selbst wenn noch nie ein Schaden aufgetreten ist, wird mit Hilfe des Konjunktivs mahnend darauf hingewiesen, dass ein Schaden auftreten könnte.

Diese Panikmechanik wird von Medien, Politikern und anderen Meinungsbildnern schamlos ausgenutzt. Und viele von uns lassen sich in die Panik mitreißen.

Es gibt sehr viele positive Meldungen, über die wir berichten könnten. Wir könnten beispielsweise darüber berichten

  • dass viele behinderte Jugendliche in diesem Jahr erfolgreich eine Ausbildung absolviert haben und auch einen Job gefunden haben.
  • Dass es immer wieder Arbeitgeber gibt, die schwerbehinderte Menschen einstellen.
  • Dass wir in seinem sehr schönen Land leben, in dem man Urlaub machen kann mit großem Erholungswert.
  • Dass unter den Flüchtlingen viele qualifizierte Arbeitskräfte sind, die, wenn sie eine Arbeitserlaubnis hätten, den Fachkräftemangel reduzieren würden.
  • Aber ich glaube, positive Nachrichten möchte die Öffentlichkeit nicht lesen. Das wäre zu langweilig und die Medien würden ihre Auflagen nicht steigern können.

Aber eine solche Berichterstattung gibt es nicht!

Ist Angst die härteste Währung?

So wie es scheint ja. Also, wenn es hier in Deutschland für wertvoll erachtet wird über herabfallende Kokosnüsse zu berichten, dann ist Angst eine der härtesten Währungen überhaupt.

Zur Angst

Angst knebelt, lähmt und schränkt ein. Angst macht Menschen unbeweglich.

Das Spiel mit der Angst

Mit der Angst von Menschen kann man spielen. Es gibt bereits auch Planspiele mit der Angst der Menschen.